Viel Arbeit und Nervosität
7. Oktober 2013
Mut machen
10. Oktober 2013
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Ich weiss, Ihr wartet alle schon auf meinen Bericht vom gestrigen Tag. Nun will ich endlich versuchen euch in etwa zu erzählen, was passiert ist.

Mit dem Tranport hat alles wunderbar geklappt.
Wir haben Dank dem Sozialdienst und den Sanitätern des Kantonspitals Schwyz herausgefunden, dass es direkt bei uns in Brunnen ein Rollstuhltaxi gibt, die auch die Autos verleihen.
Kurioserweise hatte mein Mann vor einigen Wochen dort bereits angerufen, wir bekamen die Auskunft dass dort keine Autos zu verleihen wären.
Nun hat sich Herr Eichhorn der Sache angenommen – und voila jetzt liehen sie uns ein Auto.
Also fuhren wir nach Zürich zur Uniklinik Balgrist.
Auch dort – vor Ort – wie wenn alles auf uns gewartet hätte, direkt vor der Tür 2 freie Behindertenparkplätze hintereinander. Wir konnten genauso hinfahren, dass Dieter auch die Rampe herunterklappen konnte. Hinterher haben wir gehört. dass das gesamte Areal genau 7 Behindertenparkplätze hat, die meist besetzt sind. 🙂

Bei der Anmeldung mussten wir erfahren, dass wir sehr lange warten müssen, da sehr viel Betrieb war. Und tatsächlich, es war immens viel los.
Man bekommt dort Nummern wie beim Landratsamt oder Sozialamt und wird der Reihe nach aufgerufen.
Aber wie nicht anders zu erwarten, wurde mein Name recht schnell aufgerufen und es ging zum Röntgen.
Es wurden bereits im Spital Schwyz Röntgenaufnahmen gemacht, aber da das schon etwas mehr als 3 Monate her ist, mussten Neue gemacht werden.
Auch die Röntgerei ging problemlos. Davor hatte ich die meisten Bedenken.
Da ich ja nicht aufstehen kann, ist es nicht ganz einfach meine Knie zu „fotografieren“.
Aber die Mitarbeiter dort waren sehr bemüht darum, die Fotosession so schmerzfrei wie möglich durchzuführen.
Im Nachhinein imponiert mir das sehr, wie freundlich und einfühlsam trotz des grossen Andrangs vorgegangen wurde.
Nach dem Röntgen wurden wir endlich in Richtung Arztzimmer geschickt.
Auf dem Bild seht ihr mich wartend vor dem Arztzimmer sitzen.
Irgendwann kamen wir dann endlich dran.
Erstmal zum Oberarzt, ein junger sehr engagierter, symphatischer Arzt.
Er sah sich die Rötngenaufnahmen an, um festzustellen, dass die OP dringend nötig ist. Aber es sei eine sehr schwere OP, mit sehr vielen Risiken. Seiner Meinung nach seien die Risiken viel zu hoch, dass bei einer solchen OP etwas schief geht. Aber er kann das nicht alleine entscheiden, er würde seinen Chef gern zum Gespräch dazu bitten.
Gesagt – getan – kurze Zeit später kam er wieder mit seinem Chef.
Dieser bestätigte alles, was sein Mitarbeiter gesagt hatte.
Da ich ja immer noch zu schwer sein, wäre eine solche OP mit unübersehbaren Folgen verbunden. Das Risiko wegen Überlastung der Prothesen, aber auch Wundheilung, Bakterien und Keimen sei viel zu hoch.
Man sagt dass diese Art der Operation bei Normalgewichtigen schon sehr riskant sei – bei jedem fünften normalgewichtigen Patienten kommt es zu Komplikationen, die bis zu einer Amputation führen können. Normalerweise würden nur Patienten mit einem BMI unter 40 operiert werden.
Unser Argument war, dass ich leichter und schneller abnehmen werde, wenn ich mich erstmal besser bewegen kann und somit die Überlastung auf eine kurze Zeit begrenzt ist.
Dann kam von ihm, dass erfahrungsgemäss Patienten nach einer OP auch nicht schneller abnehmen.
Mein Mann konterte, erfahrungsgemäss würden Patienten auch nicht 130 kg im Liegen abnehmen – was ich aber getan hätte – also würden die Erfahrungen ja wohl nicht auf jeden – nicht auf mich zutreffen.

Das war das erste Mal dass wir ihn zum Nachdenken brachten und er meinte, damit hätten wir zweifelsohne auch Recht.
Ich fragte dann, welche Alternative ich hätte –
Die Antwort war: Ich solle froh sein, dass ich in der Schweiz sei, denn hier würden die Ärzte wenigstens über eine OP nachdenken – in USA würde man mir einen Elektrorollstuhl geben und gut.

Nun war ich wieder dran und musste ihm sagen, dass ich meiner festen Meinung nach zu den Patienten gehöre, bei denen alles gut geht.
Auch im letzten Jahr, als die Magen OP war – musste ICH die Ärzte überzeugen, dass alles gut gehen werde – und dann habe ich ihm ein bisschen was von dem erzählt, was damals gelaufen ist.
Ausserdem sagte ich ihm, dass ein Elektrorollstuhl sicher keine Option für mich ist!!!
Dann hätte ich all das was ich die letzten Jahre erlebt habe, nicht machen müssen. Und wenn er mich nicht operiert, werde ich eben einen anderen Arzt finden – und wenn ich um die ganze Welt reise.
Ich werde wieder laufen!!!

Das hat ihn glaube ich beeindruckt. Auf jeden Fall denken sie über eine OP nach, sie meinten, meine positive Einstellung wäre natürlich sehr gut. Sie müssen aber eine Teambesprechnung machen und gemeinsam überlegen ob und wie. Ich fragte, wenn ja wann – dann meinte er – im Dezember, da er im November noch Urlaub hätte. Ich habe dann ganz frech gesagt – er würde sicherlich noch einen Termin VOR seinem Urlaub finden. Er lachte und meinte,…er hätte mir den kleinen Finger gegeben und ich nähme die ganze Hand.
JA, ich nehme nicht nur die ganze Hand – sondern den ganzen Arm.

So werden die Ärzte also heute oder morgen besprechen wie es mit mir weitergeht.
Natürlich war ich gestern enttäuscht – hatte ich doch auf einen Termin gehofft – aber noch ist nicht aller Tage Abend.
Ich gehe davon aus, dass spätestens am Donnerstag (sie sagten sie würden sich innerhalb 1-2 Tage telefonisch melden) das Telefon klingelt und sie mir sagen, wann ich einen OP-Termin habe.

Ich habe so detailiert erzählt, damit ich es auch für mich festhalte – für mein Buch – und auch für Euch – um direkt hier auf die unzähligen Anfragen und Mails von Euch zu antworten.

Auch möchte ich Euch allen für Euern Beistand danken! Ich weiss, dass ganz viele Menschen mich gestern begleitet haben. Vielen vielen Dank für Eure positiven Gedanken!! 🙂

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