Ein mysteriöses Wochenende
14. November 2013
Absage und Hilferuf!! Wer kann mir weiterhelfen??
30. November 2013
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Manche Büros sind zu-ständig wie eine verriegelte Tür.
© Erhard Horst Bellermann (*1937)

In den letzten Monaten waren uns viele Sachen nicht möglich, weil unsere  Personalausweise und auch die Reisepässe bereits letztes Jahr abgelaufen sind.
Da wir noch keine Schweizer sind, haben wir hier in der Schweiz lediglich einen sogenannten Ausländerausweis. Man benötigt aber z.B. für den Empfang eines Einschreibens einen gültigen Personalausweis.
Um einen deutschen Ausweis zu verlängern, braucht man „aktuelle“ (nicht älter als 3 Monate) Geburts- und Heiratsurkunden.
Man kann einen Ausweis nur an der deutschen Botschaft in Bern verlängern lassen. Dazu muss man (wegen Unterschrift und Fingerabdrücken) persönlich vorbeikommen.
Das war aber nun aus bekannten Gründen für uns lange Zeit überhaupt nicht möglich und seit einigen Monaten nur recht kompliziert möglich.

Da es also sehr kompliziert, aufwändig und recht teuer (Auto ausleihen!) ist, haben wir das immer wieder aufgeschoben – in der Hoffnung dass ich ja bald laufen kann und es dann kein Problem mehr ist mit dem eigenen Auto nach Bern zu fahren.
Nun konnten wir nicht länger warten – unsere Aufenthaltsbewillung läuft zum 31.12. aus – um sie verlängern zu können, brauchen wir unsere deutschen Personalausweise.

Wir haben also in Köln die Geburtsurkunde für Dieter , meine Geburtsurkunde aus Augsburg und eine Heiratsurkunde aus Attendorn (wir haben weder in Köln noch in Augsburg geheiratet und nur das damals zuständige Standesamt kann eine Orginal-Heiratsurkunde ausstellen).
In Augsburg ging das recht problemlos – online beantragt, direkt bezahlt und eine Woche später hatte ich die Urkunde.
Obwohl Dieter am selben Tag wie ich die anderen Urkunden angefordert hatte, haben wir sie bis heute nicht. Gott sei Dank kann man sie in der Botschaft auch nachreichen.

Da das einzige Fotostudio in Schwyz nicht behindertengerecht ist, haben wir den Fotografen gebeten zu uns nach Hause zu kommen um Fotos zu machen – wozu er netterweise auch bereit war und wir hatten sozusagen am letzten Freitag ein Fotoshooting zuhause.

Nun blieb noch das Auto auszuleihen und gestern ging es los nach Bern.
Unterwegs noch einen Abstecher zu Ikea gemacht – wir fuhren direkt dran vorbei und da wir einige Sachen benötigen, dachten wir es sei ne gute Idee, shoppen zu gehen.
Aber – bis auf eine Decke, haben wir nichts gefunden. Irgendwie fühlen wir Beide uns in diesem Geschäft nicht wohl…. also schnell wieder raus hier. 🙂

Wir fanden die Botschaft problemlos – aber oh Schreck – obwohl uns am Telefon versichert wurde, dass es dort behindertengerecht sei – eine recht schmale Gartentür mit Stufe und am Haupteingang gleich eine Treppe.
Wie bitte sollte ich da hineinkommen?
Die Securitymänner – die Botschaft wird bewacht und man kommt nur nach Durchsuchung der Taschen und Anmeldung durch die Security hinein – waren sehr bemüht.
Die Gartentür mit Stufe konnten wir noch einigermassen überwinden, indem sie mit vereinten Kräften mich mitsamt dem Rollstuhl hochgehoben haben.
Ich durfte die Erfahrung machen, wie demütigend es für Behinderte ist, sich tragen lassen zu müssen. Es ist kein angenehmes Gefühl!
Na gut – auch diese Barriere war irgendwann überwunden und sie rollerten mich vor den Haupteingang. Schnell erkannten die Sicherheitsbeauftragten, dass es schichtweg unmöglich war, mich dort hochzubekommen – zumal wohl innen, direkt noch eine noch steilere Treppe wartete.
Aber ich musste dort rein – wegen der Fingerabdrücke!
Nun kam ein Mitarbeiter auf die Idee, dass es auch einen Seitengang gäbe – also mich dorthin gerollert und siehe da – wieder eine Treppe.
Aber…. nach kurzem Überlegen fiel ihnen dann doch noch ein, dass sie ja eine mobile Rampe haben, die man ausklappen konnte….
Mit vereinten Kräften also die Rampe ausgefahren und mich hochgeschoben in einen sehr engen Gang, der gerade so breit war dass wir mit Müh und Not durchkamen.
Nach einer gefühlten Ewigkeit waren wir dann endlich in dem Raum mit zwei netten Beamtinnen um unsere Pässe zu verlängern. Mann, was für ein Aufwand!
Da wir Reisepass und Personalausweis benötigten, musste man jedes Formular (obwohl es identische Formulare sind!) zweimal in doppelter Ausfertigung ausfüllen und auch zweimal Fingerabdrücke abgeben.
Der übliche Formularkrieg also – es dauerte fast 2 Stunden bis alles ausgefüllt war – dann durften wir noch insgesamt 450 CHF dafür bezahlen und es ging wieder nach Hause.
Da wir nun wussten, dass eine Rampe vorhanden war, ging der Transport auch schneller und einfacher – Rampe runter ist einfacher, als Rampe rauf!

Im Grossen und Ganzen war es mal wieder ein besonderes Erlebnis!
Welche ein Aufwand für zwei Unterschriften und Fingerabdrücke!
Nun dauert es noch einige Wochen bis wir die Ausweise bekommen – dann dürfen wir hier in Schwyz unsere unbegrenzte Niederlassungsbewilligung beantragen.
Kosten (inkl. Automiete, Fotos, Benzin) insgesamt ca. 800 CHF zzgl. der Kosten für die noch folgende Niederlassungsbewilligung.
Wenigstens sind wir nun nicht mehr staatenlos und können uns wieder ausweisen – auch ein beruhigendes Gefühl übrigens.
Und unserer Weltreise steht – nach der Knie OP – auch nichts mehr im Wege. 😉

Ich fand es sehr erschreckend, dass nicht mal die deutsche Botschaft – das grösste Passamt weltweit ausserhalb Deutschlands – behindertengerecht ist. Es wird nächstes Jahr wohl umgebaut  – höchste Zeit und wie ich finde, ein Armutszeugnis für Deutschland.

Für mich mal wieder eine Bestätigung – auch wenn frau sich nicht behindert fühlt – man WIRD behindert!

1 Comment

  1. […] eingerichtet ist, ist alles gut – aber sobald man rausgeht, fängt das Improvisieren an. Das habe ich auch ganz anschaulich in einem Artikel vom November 2013 beschrieben. Auch hier im Spital muss man dauernd aus der Komfortzone gehen, da man auf Hilfe angewiesen ist. […]

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