Die zweite Knie – OP und die Tage danach
7. September 2014
Besser als Reha ist ein Trip an den Lago Maggiore….
24. September 2014
zeige alle

Nun komme ich endlich dazu, Euch von der letzten sehr lehrreichen Woche zu erzählen.
Manchmal müssen wir einfach bestimmte Erfahrungen BEWUSST machen, um daraus zu lernen und genau das durfte ich erleben.
Eine geniale Lernaufgabe – nicht nur für mich, wie ich hoffe…

…aber ich berichte mal chronologisch….

Tag 07 und 08, Montag und Dienstag – 08.-09.September 2014

Am Montag laufe ich die ersten Schritte.
Meine Freundinnen Anita und Hildegard besuchen mich, worüber ich mich sehr freue.

Mir geht es es im Grossen und Ganzen sehr gut. Leider habe ich beim Laufen wahnsinnige Schmerzen, schiebe das aber auf die Prothese und die damit verbundene Wunde.
Ich habe keine Vergleichswerte und denke die Schmerzen sind normal. Trotzdem wundere ich mich darüber, denn bei der letzten OP habe ich diese Schmerzen nicht gehabt – aber! – damals bin ich auch gar nicht gelaufen, sondern wurde maximal vom Bett in den Rollstuhl mobilisiert..
Also Augen zu und durch – das Laufen mit Rollator ging ganz gut, einfach Schmerzen ignorieren – alles OK, das Bein hält mich.
Natürlich habe ich registriert, dass mein Bein sich rot verfärbt hat. Aber auch das schob ich auf die Belastung beim Laufen. Auch die Ärzte sahen das so.
Ich kühlte das Bein und  ich starrte darauf, wartete was passiert.
In meinem Kopf war sehr präsent, dass bei der letzten OP genau eine Woche später die Komplikationen auftraten und ich nochmal operiert werden musste.
Natürlich wusste ich, dass ich positiv denken sollte – diesmal würde das nicht passieren – die Ausgangssituation war eine viel bessere und tendenziell ging es mir gut.
In meinem Kopf setzte sich dennoch der Gedanken fest: Am Mittwoch ist DER Tag, wenn ich den erstmal ohne Komplikationen „überstanden“ habe, habe ich es geschafft und kann am Freitag nach Hause gehen……
Am Dienstag erzählte ich meinem Mann, dass ich diese Gedanken hätte und sie einfach nicht aus dem Kopf bekäme, aber genau wüsste, dass ich damit sozusagen Komplikationen „heraufbeschwören“ würde. Aber ich bekam diese Gedanken nicht aus dem Kopf.
Wiederholung bringt Verstärkung – ich wusste ganz genau, was ich da tat.
Auch mein Mann wusste es, er machte mich darauf aufmerksam, dass ich durch meine Denkweise eine selbsterfüllende Prophezeiung herbeiführen wurde!
Aber die „negativen “ Gedanken wurden immer mehr – ich beobachtete mein Bein regelrecht auf Veränderungen. Dann wurden die Gedanken noch unterstützt durch Pflegerinnen, die ähnlich wie ich dachten und sagten: „Hoffentlich gibt es diesmal keine Komplikationen“.
Noch war alles gut – Mittwoch war der Tag der Tage – diesen Tag galt es zu überstehen…. 🙂

Und so kam, was kommen musste:

Tag 09 – Mittwoch, 10.09.2014

Am Morgen war noch alles in Ordnung. Mein Bein war zwar ziemlich rot und der Schmerz beim Aufstehen war noch sehr gross – aber nichts aussergewöhnliches.
Wenn alles so bleiben würde, könnte ich am Freitag nach Hause!
Am Morgen bekam ich Besuch von meiner lieben Bekannten Irma A., die im Spital arbeitet.
Während wir uns unterhielten, merkte ich, dass mein Knie immer mehr anschwoll, rot wurde – Spannungsschmerzen auftraten. Gar nicht lustig!
Als Irma sich verabschiedet hatte, klingelte ich nach der Pflegerin. Aus der Narbe trat Gewebeflüssigkeit aus – mein Knie war steinhart und etwa dreimal so dick wie normal.
Dr. Orler kam gerade in dem Augenblick zur Visite, sah sich das Bein an und sagte, dass er so schnell wie möglich nochmal operieren müsse.
Ich nickte, Daumen hoch und sagte: “ Was für eine geile Lernaufgabe“!
Mir war sehr bewusst was ich (wir gemeinsam) getan hatte. Daher war ich auch relativ ruhig – es würde alles gut gehen – und  – selbst schuld.
Es war gegen 11:30 Uhr, eine Woche nach der OP, fast zur selben Zeit wie bei der letzten Knie OP, die selbe Situation (ich hatte damals auch Besuch und direkt danach „ging es los“) – es war ein DejaVu!!!
Das kann nicht alles Zufall sein – oder? 😉
Da ich an diesem Tag schon gefrühstückt und auch schon Blutverdünner bekommen hatte, musste ich noch einige Stunden ausharren, ehe es in den OP ging.
Ich rief meinen Mann im Büro an um ihn zu informieren – er war nicht weiter erstaunt und machte sich auf den Weg zu mir ins Spital.
In der Zwischenzeit nässte es immer mehr aus der Narbe – die Pflegerinnen kamen mit dem Verbinden kaum nach und die Schmerzen wurden immer schlimmer.
Ich bekam die Schmerzen nicht mehr in den Griff  und als mein Mann kam, war ich nervlich ziemlich am Ende.
Normalerweise „atme“ ich die Schmerzen immer weg  – ganz ruhig, Kontrolle behalten, ganz langsam und tief Luft holend einatmen, über den Bauch ausatmen….. diesmal schaffte ich das nicht.
Ich hyperventilierte – war einem Kreislaufkolaps nahe und mir ging es sehr mies! Gott sei Dank kam in diesem Moment die Narkoseärztin Frau Dr. Kaiser, welche kurz davor schon mal bei mir war um über die Narkose während der OP zu sprechen.
Sie nahm meine Hand, gab mir Energie und half mir in die Atmung zu kommen und binnen Sekunden war ich wieder ruhig und gefasst – hatte die Schmerzen wieder im „Griff“ und steigerte mich nicht mehr rein. Das war ein sehr schönes Erlebnis und ich war dankbar, dass mir zur richtigen Zeit mal wieder der richtige Mensch „geschickt“ wurde.
Ich unterhielt mich anschließend noch mit der Ärztin, die mir anbot während der OP Akupunkturnadeln zu setzen und mich nicht nur narkosetechnisch zu begleiten. 🙂
Ich war begeistert und sehr sicher, dass ich bei Frau Dr. Kaiser während der OP in besten Händen sein würde und sie mich bestens betreuen wird. Ich vertraute ihr!

Kurze Zeit später ging es dann auch schon in den OP:
Diesmal bekam ich eine Vollnarkose, da wegen der Blutverdünnung eine Spinalnarkose zu riskant gewesen wäre.
Ich bekam nicht mehr viel mit und kann mich nur noch erinnern, dass ich direkt nach der OP im Aufwachraum meinen Mann anrief um ihm mitzuteilen, dass ich doch nicht auf die Intensivstation (wie urprünglich befürchtet) sondern direkt wieder auf die Station käme.
Den Rest des Nachmittags und Abends habe ich mehr oder weniger verschlafen.

Tag 10 und 11 – Donnerstag und Freitag, 11.09 – 12.09.2014

Meine wichtigste Aufgabe am Donnerstag war, meine Eltern zu beruhigen. Irgendwie hatten wir es versäumt Ihnen zu berichten, was vorgefallen war und sie waren verständlicherweise sehr besorgt.
Ansonsten hatte die Vollnarkose eine durchschlagende Wirkung – vielleicht hatte es Frau Dr. Kaiser auch etwas zu gut gemeint.
Ich fühlte mich wie ausgeknockt, war fix und alle und kam mir vor als ob ich 7 Tage durchgefeiert hätte.
Dr. Orler erklärte mir, dass es wie beim ersten Mal auch Einblutungen gegeben habe und er diese weiträumig ausgeräumt hatte. Es sei aber nicht so schlimm gewesen, wie beim anderen Bein und ich hätte zwar Blut verloren, aber lange nicht so viel wie damals.
Ich solle jetzt erstmal ruhig halten, so wenig wie möglich belasten und mich erholen.
Die meiste Zeit habe ich also geschlafen – irgendwie wurde ich gar nicht mehr richtig wach!
Am Freitag schwoll mein Bein wieder extrem an – allerdings nicht wegen einer Einblutung, sondern wegen den Lymphen. Genau das hatten wir (meine Physio und ich) bereits nach der ersten OP erwartet, aber wider Erwarten hat sich mein Bein lediglich (wie berichtet) gerötet.
Nun schwoll das ganze Bein an, aber nachdem Elke eine Lymphdrainage machte, haben wir das schnell in Griff bekommen.
Mit dieser Problematik können Elke und ich besser umgehen, denn das kennen wir – mit Einblutungen ist das schwerer.
Beim ersten Aufstehen (lediglich Transfer auf den WC-Stuhl) merkte ich, dass die grossen Schmerzen die ich beim Aufstehen hatte, jetzt weg waren. Also kamen die Schmerzen vorher von den Einblutungen und nicht wie ich angenommen hatte von der Prothese.
Leider bekam ich durch den hohen Blutverlust bedingt am Freitag noch eine Blutkonserve.
Auch hier reagierte ich wieder untypisch. Bei den meisten Patienten steigt während einer Bluttransfusion die Temperatur und der Blutdruck – es wird ihnen warm.
Bei mir das Gegenteil – ich friere, meine Temperatur geht auf 35.4 ° herunter und auch der Blutdruck fällt. Daher bekomme ich statt der geplanten 2 auch nur eine Blutkonserve.

Tag 12, 13 und  – Samstag, Sonntag, Montag 13.09.-15.09.2014

Am Samstag morgen kommt Elke noch einmal zum Lymphen. Das tut mir sehr gut – mein Bein schwillt sichtlich ab.
Aber ich habe den Eindruck, dass das Blut das ich bekommen habe von einem sehr phlegmatischen Menschen kam, denn ich war sehr müde und kaputt und verschlief mal wieder den ganzen Tag. 🙂

Am Abend werden Gott sei Dank die Schläuche wieder entfernt und ich kann wenigstens wieder stricken. 🙂

Am Sonntag gehts mir wieder richtig gut – es ist herrliches Wetter. Da ich aber immer noch nicht aufstehen soll, schiebt mich mein Mann am Nachmittag in meinem Bett auf den Balkon und wir geniesen den Spätsommertag in der Sonne,
Am Abend bekomme ich nochmal Besuch von Hildegard, die sehr erstaunt war, als sie hörte dass ich nochmal operiert wurde.
Aber mir geht es mittlerweile wieder wirklich gut – und ich denke, dass ich am Mittwoch nach Hause kann, was mir eben von Dr. Orler auch bestätigt wurde. 🙂

Alles wird gut! Ich habe nun live erleben dürfen, was passiert wenn man seine Gedanken nicht unter Kontrolle hat.
Natürlich wusste ich das – aber ich glaube, ganz selten wird einem wirklich so mittelbar bewusst, was man mit seinen Gedanken bewirken kann.

Konfuzios sagte:

„Am Anfang jeder Tat steht eine Idee. Nur was gedacht wurde, existiert.“

Seid Euch dessen bitte bewusst! Und wie man sieht – es funktioniert! Positiv und negativ! 🙂

 

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: